Ein Stück vom Paradies im Grunewald

Am ersten Sonntag, an dem ich hier war, habe ich mich in Richtung Grunewald aufgemacht zum Erholungsgebiet im Südwesten Berlins. Mir war gesagt worden, dort gäbe es einen richtigen Berg, 120 Meter hoch! Meine Entdeckung des Tages war aber nicht der Teufelsberg, auch nicht der an seinem Fuß liegende Teufelssee (mit FKK-Badenden) oder das angrenzende Teufelsmoor. Schon eher das sogenannte „Öko-Werk“ im Areal des ehemaligen Wasserwerks am Seeufer.

Am "Öko-Werk"

Am „Öko-Werk“

Das ist ein sehr schön gestaltetes Gelände mit Öko-Mustergarten, Bienenstöcken, Wasserlehrpfad, Erlebnisbereich für Kinder usw.. Da ist jeder Quadratmeter ökologisch-pädagogisch wertvoll! Aber dadurch – ein wenig typisch für solche Einrichtung – alles etwas zu gewollt, überzüchtet, irgendwie unnatürlich, jedenfalls für mein Gefühl.

Ganz anders das kleine Stück vom Paradies ein paar hundert Meter südöstlich, in das ich zufällig geraten bin. Im Stadtplan steht nämlich nur „Ehemalige Kiesgrube“. Diese aufgelassene Sandgrube ist ebenfalls ein „Naturschutz- und Erholungsgebiet von Menschenhand“, wie ich auf einer Infotafel am Rand lese. Und weiter: „Mitten im Grunewald wurden an dieser Stelle zwischen 1966 und 1983 zur Baustoffgewinnung über 35 Mio. m3 Feinsand abgebaut. Es entstand eine rund 18 Hektar große offene Grube, deren Sohle heute 15 bis 25 m unter dem Niveau des angrenzenden Waldes liegt. In den am tiefsten gelegenen Stellen entwickeln sich Flachgewässer und Sumpfbereiche, da diese vom Grundwasser gespeist werden.“

004-SandgrubeOben von der Holztreppe, die an einer Stelle die steile Böschung hinunterführt, konnte ich drei etwa 10 jährige Jungs beobachten, die unten am Rande eines mit Büschen bewachsenen Sumpfstückes durchs Gras robbten. Mit Stöcken bewaffnet näherten sie sich so dem imaginären Indianer-Feind.

Am Rand der größeren Wasserfläche in der Mitte der Grube traf ich auf ein Geschwisterpärchen, das die dort wohnenden blauen(!) Frösche beim Paaren beobachtete. 004-Am See

Und zwischen dem kegelförmigen zehn Meter hohen Sandhaufen und der sandigen Randböschung tummelten sich einige Familien und Jugendliche bei sportlichen Aktivitäten. Eine faszinierend friedliche Atmosphäre, wohin ich auch schaute.

Aber das Erstaunlichste: Müll? Fehlanzeige! Ausgebrannte Grillstellen mit Bierscherben? Fehlanzeige! Plastiktüten in Gebüsch und Gewässer? Fehlanzeige!004-Sandhügel

Warum auch immer: Die Menschen hier verhielten sich in harmonischem Einklang mit der Natur.

Ein Naturschutzgebiet, von Menschenhand nicht nur geschaffen, sondern auch erhalten. Durch den regelmäßigen Eingriff des Menschen werden die offenen Flächen freigehalten, die sumpfigen Dickungen geschützt (Achtung: Wildschweine!) und die Böschungen stabilisiert. So kann die Natur sich wunderbar entfalten und Artenvielfalt entwickeln.

Ist es zu viel behauptet, wenn ich darin eine moderne Umsetzung des biblischen Auftrags an den Menschen sehe, die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren? In jedem Fall ist hier aber im Zusammenspiel von Mensch und Natur ein kleines Stückchen vom Paradies entstanden, das der Seele einfach nur gut tut.

Morgen feiert die Berliner Stadtmission mit rund 350 Ehrenamtlichen ihr Dankeschönfest in der „Alten Försterei“, dem Stadion von Union Berlin. Davon erzähl ich nächste Woche.

Bis dahin Gottes Segen!

Gerold Vorländer

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Ein Gedanke zu „Ein Stück vom Paradies im Grunewald

  1. B u. C Noack

    Lieber Gerold, herzlichen Dank für deine Berichte aus Berlin und Umgebung. Wir lesen sie gerne.. Da wir beide aus dem Fläming stammen, ist vieles bekannt. Besonders weil meine Schwiegereltern einige Jahre in Zehlendorf in der Kloppstockstrasse wohnten. Dort haben wir mit den Kindern schöne Ferien verlebt. Das Ziel war oft der Schlachtensee und die Umgegend.Natürlich auch der Teufelsberg im Grunewald. Außerdem lebten Tanten und eine Cousine von mir in Schöneberg (alle verstorben) Es ist schon verrückt. Ich arbeitete von 1948 -1950 in Belzig bei der Kreisverwaltung in Abt. Lebensmittelindustrie. Zu meinen Aufgaben gehörte der monatl. Bericht bei der Landesregierun in Potsdam. Anschließend fur ich mit der S-Bahn nach Schöneberg zur Tante und übernachtete da mit allen Unterlagen. Das in der DDR. ! Morgen hast du die erste Predigt in Bln. Gottes Segen dafür. Herzliche Grüße Bernard und Christel Noack

    Antwort

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