Ungewöhnliche Freundschaft

          

 

Was hat ein evangelisches Missionswerk mit einem 2. Liga-Fußball-Club gemeinsam?

Spontan fällt einem vielleicht nicht viel ein. Spätestens seit vergangenem Freitag sind die gut 300 Ehrenamtlichen der Berliner Stadtmission, die sich einladen ließen, schlauer – und ich mit ihnen.Ehrenamtsfest 2014 (090)

Denn das diesjährige Dankeschönfest der Berliner SM fand im Stadion von FC Union Berlin statt.

Das liegt ganz weit im Osten. Vom Hauptbahnhof brauchte ich etwa eine Stunde bis dorthin. Unterwegs fragte ich mich, warum dieses Profistadion wohl den merkwürdigen Namen „An der Alten Försterei“ trägt. Auf dem Gelände angekommen erübrigte sich die Frage durch einen Blick auf die Geschäftsställe und den Ticketverkauf.


Ehrenamtsfest 2014 (094)

 

 

 

Biegt man dann um die Ecke steht man vor einem schnieken kleinen Stadion, dessen Haupttribüne mit zugehörigen „Katakomben“, VIP-Lounches und Reporterkabinen erst vor rund drei Jahren neugebaut wurde. Und hier auf dieser Haupttribüne versammelte sich nun die Stadtmission-Fans.

Ehrenamtsfest 2014 (096) Ehrenamtsfest 2014 (116)

 

 

 

 

 

 

Stadtmissionsdirektor Hans-Georg Filker war der Stolz deutlich anzumerken, als er „sein Logo“ auf der digitalen Anzeigetafel aufleuchten sah: „Unser Verein. Unsere Liebe. Unsere Mannschaft: SM Berliner Stadtmission.“

Ehrenamtsfest 2014 (105)

Stefan Boschek, Jugendreferent des Missionswerkes, beschrieb dann den hochemotionalen Moment, bevor bei einem Fußballspiel die eigene Mannschaft aufläuft. Verblüffend einleuchtend war seine Übersetzung von 1. Korinther 12 in Fußballsprache:Ehrenamtsfest 2014 (114)

„Wie die Mannschaft eine ist und doch viele Spieler hat, alle Spieler der Mannschaft aber, obwohl sie viele sind, doch eine Mannschaft sind: so auch wir. Denn wir sind durch einen Teamgeist alle zu einer Mannschaft verbunden, wir seien Einheimische oder Zugereiste, Arme oder Reiche, und wir sind alle von einem Team-geist durchdrungen. Denn auch die Mannschaft ist nicht ein Spieler, sondern viele. Wenn aber der Verteidiger spräche: Ich bin kein Stürmer, darum bin ich nicht Spieler der Mannschaft, sollte er deshalb nicht Spieler der Mannschaft sein? … Wenn ein Spieler leidet, so leiden alle Spieler mit, und wenn ein Spieler geehrt wird, so freuen sich alle Spieler mit. Ihr aber seid die Mannschaft des Trainers und jeder von euch ist einer seiner Spieler.“

Am Freitag saß „die Mannschaft“  der Berliner SM auf der Tribüne, wie Carolin Reifenberg erklärte, die als Ehrenamtskoordinatorin das ganze Fest toll organisiert hat: Die Mannschaft sind nämlich die Menschen, die sich in den Gemeinden, in Notübernachtung, Kältehilfe, Bahnhofsmission, Flüchtlings und Strafgefangenenarbeit, Seniorenheimen und der Arbeit mit Suchtkranken usw. das ganze Jahr über ehrenamtlich engagieren. (Wobei deren Zahl insgesamt bei über 1000 liegt.)

Carolin Reifenberg dirigierte anschließend die Anwesenden zu einer besonderen Tribünenchoreografie:

Ehrenamtsfest 2014 (142) Ehrenamtsfest 2014 (140)

 

 

 

 

 

 

Aber zurück zur Anfangsfrage: Was hat ein evangelisches Missionswerk mit einem 2. Liga-Fußball-Club gemeinsam? Oder was könnte eine Freundschaft zwischen ihnen begründen?

Hans-Georg Filker und Stadionsprecher Christian Arbeit lösten das Rätsel auf:

Ehrenamtsfest 2014 (126)So findet im Stadion von Union Berlin jedes Jahr im Advent das mit Abstand größte Weihnachtsliedersingen Deutschlands statt (vom Fußballclub organisiert)!!!

Ein Team von Union brachte im Winter ausrangierte Decken in die Bahnhofsmission am Zoo und wurden dort herzlich empfangen, herum geführt und bewirtet – und waren tief beeindruckt von der Arbeit die dort geleistet wird. Und in beiden Vereinen spielt das Ehrenamt eine riesengroße Rolle (die Modernisierung der Stehtribünen im Stadion wurde z.B. fast komplett durch Freiwillige aus dem Verein durchgeführt).

So wurde dann auch im Station das Catering (Bratwurst und Grillfleisch) Ehrenamtsfest 2014 (148)für uns Freunde größtenteils ehrenamtlich und nicht gewerblich durchgeführt: Ein echtes Wohlfühlbüro.  Ehrenamtsfest 2014 (150)Viele hatten anschließend noch ordentlich Sitzfleisch. Gelegenheit sich ganz ungezwungen mit Bekannten zu unterhalten oder (noch) Unbekannte kennenzulernen.

Für mich persönlich allerdings war das ein bisschen stressig, weil ich ganz viele Menschen traf, die ich in den bisherigen drei Wochen in den unterschiedlichsten Kontexten kennengelernt hatte – und jetzt spontan die Namen auf die Reihe kriegen?

Der Weg zur Alten Försterei war – wie gesagt – ziemlich weit. Zwischendurch ging am Abend auch noch ein Gewitterguss nieder (die nachmittägliche Unwetterwarnung war mal wieder ziemlich übertrieben, hatte aber wohl einige abgeschreckt).  Aber es war wirklich ein sehr besonders und lohnendes Ehrenamtsfest.

Und gerade in seiner Ausgefallenheit auch schon wieder ein bisschen typisch für die Berliner Stadtmission.

Ehrenamtsfest 2014 (145)

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