Eine „Landpartie“ vom Süden in den Norden Berlins

Was gehört eigentlich alles zur Berliner Stadtmission?

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt; und mit dem bisschen Einblick, den ich bisher gewonnen habe, könnte ich mühelos gleich eine ganze Stunde und mehr erzählen. Bis womöglich meinen Zuhörern der Kopf so brummt wie mir hier auch fast täglich.

Ich möchte die Antworten auf die Frage in diesem Blog ein bisschen dosieren und immer mal wieder einige Beispiele bringen. Die Auswahl ist dabei weder hierarchisch noch systematisch sortiert (weil das sowieso kaum geht), sondern zufällig aus dem, was ich gerade erlebe, wohin ich eingeladen werde oder mich aufmache. Aber ich hoffe, dass sich im Laufe der Zeit dann doch die Mosaiksteine so zusammenfügen, dass sich ein – wenn auch nicht vollständiges so doch – lebendiges Bild daraus ergibt.

Heute nehme ich Euch/Sie mit zu einer „Landpartie“ zum südlichen und nördlichen Rand von Berlin:

  • Zu den Seniorenzentren „Müggelschlösschenweg“ (Köpenik) und Bestensee (in Brandenburg südlich von Berlin),
  • zur Gemeinde Karow ganz im Nordosten (schon fast wieder Brandenburg).

Müggelschlösschenweg hört sich so romantisch an. WP_20140526_12_03_14_ProDabei handelt es sich um eine Plattenbausiedlung.

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Einer dieser Plattenbauten wurde nach der Wende von einem Investor zu einem Seniorenheim umgebaut, um dann einige Jahre später an die Berliner Stadtmission abgegeben zu werden. Von außen wirkt es vielleicht noch nicht so einladend. Aber innen ist eine sehr gemütliche Atmosphäre und erst recht der Garten hinten heraus ist ein kleines Paradies, das man hier nicht unbedingt erwarten würde.

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Das Seniorenzentrum Bestensee hingegen liegt wirklich auf dem Land.WP_20140516_14_28_16_Pro

Immerhin gibt es einen „Bahnhof“, an dem der Regionalzug hält (nach ca. einer Stunde Fahrt vom Hauptbahnhof über Schönefeld nach Süden).

 

Das Gebäude wurde von der Stadtmission vor ca. 10 Jahren neu gebaut. Dabei fällt auf, wieviel Raum hier ist, wieviel Licht und Transparenz. Wahrscheinlich kann man aber auch nur bei Grundstücken auf dem Land so verschwenderisch (im positiven Sinn) mit den zur Verfügung stehenden Quadratmetern umgehen.

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Beide Häuser laufen konzeptionell und wirtschaftlich hervorragend. Und unser Seniorenheim-Seelsorger Christoph Zobel fühlt sich in beiden Einrichtungen am richtigen Ort. WP_20140516_14_10_11_ProInzwischen platzt die Kapelle im Müggelschlösschen-Weg bei seinen Gottesdiensten aus allen Nähten, auch weil noch Leute von außen dazukommen. Und in Bestensee bietet die Heimleitung zusätzlich zu ihm noch eigene Andachten an. Hier läuft die Verknüpfung von diakonischer und geistlicher  Arbeit – wie ich finde – vorbildlich. Vieles erinnert mich übrigens an meine bisherige Arbeit im Johanniter-Stift in Köln-Flittard.

Wenn man eine gute halbe Stunde vom Hauptbahnhof nach Nordosten fährt (ich mache hier alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln, weil ich erstens die Zeit zum Lesen nutzen kann und das zweitens den Tag entschleunigt) kommt man hinter Pankow (man erinnert sich an Udo Lindenbergs DDR-Provokationssong: „Entschuldigen Sie, ist hier der Sonderzug nach Pankow“), Französisch Buchholz und Blankenberg in das Vorstädtchen Karow. Das ist zwar noch Berlin, aber man fühlt sich erneut richtig auf dem Lande, zumal die Berliner Stadtmission für die Gemeinde dort vor Jahren einen ehemaligen Bauernhof gekauft hat. Das ist schon witzig, wenn man am Tor zum „Gemeindehof“ liest: „Ein Projekt der Großstadtmission“. (Dahabe ich übrigens auch das gerade seine Brut fütternde Gartenrotschwanz-Weibchen fotografiert, das über diesem Blog-Beitrag auf seiner Dachrinne sitzt.)

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Denn das Miteinander hier trägt deutlich dörfliche Züge und erinnert mich ein wenig an die Kirchengemeinde Brumby in Sachsen-Anhalt, mit der wir von Köln aus nach der Wende eine langjährige intensive Partnerschaft hatten.

Dieser Gemeindehof beherbergt nicht nur die zur Kirche umgebaute Scheune (mit weiteren gemütlichen und funktionalen Gruppenräumen), sondern auch – neugebaut – eine evangelische Kindertagesstätte und einige Wohnungen (mit einem Mehrgenerationenkonzept, an dessen Realisierung gerade wieder gearbeitet wird).

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Die ehemaligen Stallungen bergen aber den vielleicht größten Stolz der Karower, nämlich die Lager- und Verkaufsräume für den „Trödelmarkt“, der zweimal (!) im Monat stattfindet.   IMG_1474 - Kopie

Dieser Trödelmarkt ist eine faszinierende Mischung aus offenem Treffpunkt, lockerem Gemeindefest, geliebtem Betätigungsfeld vieler Ehrenamtlicher, wichtiger Finanzquelle und – mit den stündlichen 3 Minutenandachten – missionarischem Projekt. Missionarisch gerade dadurch, dass Menschen hier einfach hinkommen und da sein können, Gemeinschaft erleben, den Kurzimpulsen zuhören oder nicht zu hören können – und zu nichts gezwungen oder überredet werden. Die Angst davor, „missioniert zu werden“ im Sinne von: zu etwas gezwungen oder überredet werden, was man nicht will, begegnet mir hier sehr häufig, öfter als ich das erwartet hatte. Dementsprechend muss ich auch immer wieder meine Dienstbezeichnung erklären. Am Montag bei einem Projekttag der Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (AMD) nannte Ulrich Laepple ein Zitat des bekannten Theologen Fulbert Steffenski, das mir sehr gut gefällt: „Mission heißt, teilen, was man liebt.“

Wenige Kilometer entfernt liegt die kleine Stadtmissionsgemeinde Blankenburg mit ganz eigenen Schwerpunkten in einer typischen Stadtrand-Einfamilienhaus-Siedlung. Mit dem Eintritt des langjährigen Karower Pfarrers Gerhard Witte in den Ruhestand steht im Herbst dieses Jahres die Fusion dieser beiden Gemeinden an und zwar dann mit nur einer Stadtmissionarsstelle. In der nächsten Zeit ist das eine wichtige Baustelle, in der meine Gemeindeberatung gefragt ist. Wie gut, dass ich in Köln bereits einschlägige Fusionserfahrungen sammeln konnte.

 

 

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3 Gedanken zu „Eine „Landpartie“ vom Süden in den Norden Berlins

  1. Dorothea und Eberhard Schollé

    Lieber Gerold,

    super, wie Du uns Deine missionarische Tätigkeit auch bildlich nahe bringst.
    Wir freuen uns schon auf die nächste Folge.

    Liebe Grüße aus St. Ammheim

    Dorothea und Eberhard Schollé

    Übrigens: Bist Du noch nicht auf’s Fahrrrad gekommen?

    Antwort
  2. B u. C Noack

    Hallo, lieber Gerold, deine Berichte aus Berlin und Umgebung sind wirklich lesenswert.Interessant, weil wir einiges von dort kennen. Herzlichen Dank dafür. Dir ein frohes Pfingstfest und herzliche Grüße Bernhard und Christel Noack

    Antwort
  3. Manfred Ritter

    Hallo lieber Gerold,
    Hier meldet sich Manfred Ritter aus Büschhof, der Euch in Berlin herzliche Grüße sendet.
    Finde Deine Berliner Berichte echt Klasse und lese sie sehr gerne.
    Wünsche ein gesegnete Osterfest,
    Gruß Manfred

    Antwort

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