Werkstatt für Himmlische Gesellschaft

Wir haben uns in der „Mokkabar“ an der Gneisenaustraße zum Lunch verabredet. Sven Lager erwartet uns auf dem Bürgersteig neben seinem Fahrrad. Aus den Zeitungsartikeln mit Fotos konnte ich nicht erkennen, dass er mich wie mein Kollege Andreas Schlamm gefühlt um Haupteslänge überragt. Im ersten Moment fühle ich mich richtig klein, wie ich so zwischen den beiden stehe. Dabei führt uns ein ganz anderer Gedanke und gemeinsames Anliegen zusammen: Menschen, die sich vielleicht klein fühlen, groß zu machen. Menschen die Erfahrung zu ermöglichen, wie viel sie wert sind, was für wunderbare Gaben sie haben, und was sich alles verändert, wenn sie diese Gaben mit anderen teilen.

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Als wir uns dann am Tisch gegenübersitzen und Sven Lager mit Strahlen in den Augen davon erzählt, welche Lebensentdeckungen er und seine Frau Elke Naters – beide bekannte Schriftsteller weit über Berlin hinaus – in den zurückliegenden fast 10 Jahren in Südafrika gemacht haben, da ist das Gefühl eines Gefälles längst verschwunden. Ihre Entdeckungen haben vor allem mit der Entdeckung des christlichen Glaubens zu tun, von da aus mit einem veränderten Blick auf die Menschen, mit dem Blick Jesu, und einer eigentlich simplen und doch zugleich großartigen Idee: Wenn Menschen (wieder) lernen, miteinander zu teilen, was Gott ihnen an wunderbaren Gaben geschenkt hat, und wenn für dieses Teilen ein bescheidener Raum voller Gastfreundschaft und Offenheit geschaffen wird, dann entsteht eine „Werkstatt für Himmlische Gesellschaft“. Ein kreativer Ort, wo jeder, der mag, seine Ideen einbringen kann, statt darauf zu warten, dass „Der Staat“ oder „Die Kirche“ oder der reiche Onkel aus Amerika was tut.

Sven Lager und Elke Naters hatten die Idee und erste Erfahrungen aus Südafrika mitgebracht. Andreas Schlamm, Leitender Mitarbeiter bei der Stadtmission für den neugeschaffenen Schwerpunkt Bildung, hatte die Räume: Ein einfaches Eckhaus an der Fürbringer Straße 36/Ecke Solmsstraße in Kreuzberg, für das die Stadtmission ein neues Nutzungskonzept suchte.

Das „Sharehouse“ für Kreuzberg entsteht.

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Wenige Wochen nach dem ersten Treffen sind weitere Verantwortliche in der Stadtmission angesteckt, und bald werden sage und schreibe 300, – € in Farbeimer und selbstgebastelte oder gesammelte „Möbel“ investiert. WP_20140801_17_04_11_Pro-comprDie Einrichtung ist extrem reduziert, aber erzählt schon von dem, was hier entsteht. Ein Tisch z.B. ruht auf vier verschiedenen Beinen, so als hätte jemand zwei verschiedene Schuhe und Socken an.

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Neben der Kaffeemaschine sehe ich eine Playmobil-„Installation“, die ein Kind hier mal hinterlassen hat, und darüber, was einen hier erwartet, besser gesagt, was man hier tun kann. Schiefertafeln gibt es übrigens noch mehr, nicht nur draußen, rechts und links vom Eingang, sondern manchmal auch auf der Straße. Zum Beispiel mit der Anregung an Passanten, im Vorübergehen mal aufzuschreiben, was ihnen eigentlich heilig ist.

Im Zweiten Raum befinden sich außer zwei Sesselchen nur ein langer Tisch, an der ca. 20 Personen sitzen können, mobil, auf Böcken: kein Problem damit auch auf den Bürgersteig umzuziehen.

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Inzwischen gibt es hier – wie man problemlos dem neuesten Flyer (siehe Titelbild) entnehmen kann – jeden Nachmittag drinnen oder draußen ein Begegnungscafé. Der genial-kuriose Musiker Simon hat ein „Orchester“ gegründet und einen „Chor“, in dem ausgebildete Sänger und blutige Anfänger zusammen singen. Es gibt einen Mütter-Baby-Brunch, Kunst für groß und klein, ein Treffen für Gebet und praktische Gemeinschaft, ein Abendessen für alle, wo das sharehouse nur das Brot stellt, aber das ist richtig lecker. Und es gibt ständig neue Menschen und neue Ideen. Natürlich kostet das Ganze mehr als die 300 Einrichtungs-Euro. Aber das Team ist voller Hoffnung, auch die laufenden Kosten und (geringen) Honorare auftreiben zu können.

Denn die Werkstatt für Himmlische Gesellschaft ist überzeugt: „Teilen macht reich“.

Wer noch mehr erfahren will und nicht mal einfach dort vorbeigehen kann, findet unter „thesharehouse.wordpress.com“ weitere Bilder und Berichte. Und in meinem nächsten Blog werde ich von den überraschenden Begegnungen am folgenden Nachmittag zur Sharehouse-Öffnungszeit erzählen.

Jetzt noch etwas in eigener Sache:

Suchet das Beste, das Beste der Stadt-AusschnittZum neu entwickelten Leitbild der Berliner Stadtmission habe ich ein Lied geschrieben, das bisher bei der Sommerkonferenz oder Mitarbeitertagen großen Zuspruch fand. So fragten z.B. Mitarbeitende aus einem unserer Seniorenzentren, ob es vielleicht eine Sing-along-CD geben würde. Sie könnten keine Noten, würden es aber gerne in ihrer Einrichtung singen. Beim großen Stadtmissionsfest für die Stadt am 14.09. werde ich das mit ein paar Tausend Besuchern einüben. Und der Refrain soll während der (kurzen) Telefon-Warteschleife der Stadtmission erklingen. Aber dazu muss – anders als bei dem derzeitigen Warteschleifen-Lied – eine professionelle Aufnahme gemacht werden.  Die Kosten dafür (einschließlich sing-along-Fassung) belaufen sich auf ca. 1000, – €, die natürlich nicht im diesjährigen Budget vorgesehen sind.

Und deshalb wäre es eine große Hilfe, wenn dieser Betrag – oder doch wenigstens die Hälfte – durch Spenden zusammenkäme. Wenn Ihr dabei helfen möchtet, findet ihr unter folgendem Link die Kontodaten: http://www.berliner-stadtmission.de/wie-sie-helfen/spenden/spenden

Bitte bei der Spende das Stichwort „Neuer Titelsong“ angeben, damit sie nicht im „großen Topf“ verschwindet. Vielen Dank!

Wenn die Aufnahme hoffentlich irgendwann im Herbst fertig ist, bekommt jeder Spender auf Wunsch eine mp3-Fassung des Liedes zugemailt. 🙂

Also dann bis in ein paar Tagen, wenn ich weiter von der „Werkstatt für Himmlische Gesellschaft“ erzählen werde.

 

 

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3 Gedanken zu „Werkstatt für Himmlische Gesellschaft

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