Werkstatt für Himmlische Gesellschaft II.

„Unter dem Buyu-Baum“ – so hieß ein Buch, das in meiner Kindheit im Kindergottesdienst vorgelesen wurde. Ich erinnere mich eigentlich nur an den Titel, dass es in Afrika spielte und davon erzählte, wie sich ein Missionar mit den „Eingeborenen“ immer unter ebendiesem Baum traf. Es kann auch sein, dass die Dorfbewohner diesen Ort schon vor dem Missionar als ihren Treffpunkt ausgewählt hatten, wo sie alle Belange des Dorfes verhandelten. Das weiß ich aber nicht mehr so genau. Vielleicht haben sich da verschiedene Geschichten in meinem Kopf gemischt. Jedenfalls ist der Titel mir wohl deshalb haften geblieben, weil sich für mich irgendwie ein positives Gefühl damit verbindet: Ein Ort unter freiem Himmel, total offen und doch ein fester Raum der Begegnung. Exotisch aber total einleuchtend.

Wenn ich aber jetzt recht überlege, hatte ich den Buchtitel eigentlich nicht mehr in Erinnerung, sondern er kam wieder in mein Bewusstsein, als ich vergangen Freitag mit meiner Frau Christiane gleich nochmal zum sharehouse hin bin (siehe vorhergehenden Beitrag). Diesmal zur nachmittäglichen Öffnungszeit, denn wir wollten das Projekt „in Aktion“ erleben.

Die Tür stand offen, ich wurde wiedererkannt 😉 und wir wurden herzlich begrüßt. Mit uns kam eine junge afrikanische Frau. Wie sich später herausstellte, war sie gebürtige Kenianerin, aber schon seit über 13 Jahren in Deutschland, zunächst Hamburg („Da hab ich keinen kennen gelernt“)  und nun noch nicht lange in Berlin. Die langen, glatten, schwarzen Haare deuteten schon auf ihren ersten Beruf hin: „Extensions-Friseurin.“ Extensions bezeichnet die höchst kreativen künstlichen Frisuren, die sich afrikanische Frauen (gegenseitig) in das ganz kurz geschnittene Haar flechten. Ihr zweiter Job hatte sie hier hergeführt: Die Verwaltung von drei Gästewohnungen auf der anderen Straßen Seite. Schöne Wohnungen, aber ohne Waschmaschine. Und weit und breit kein Waschsalon!
Sven Lager führte uns drei durch die paar Räume und erklärte den Gedanken des sharehouse. Als wir in der Küche ankamen, stellten wir fest, dass da unter der Arbeitsplatte noch Platz für eine Waschmaschine wäre. Und schon war eine neue Idee geboren. (sharehouse: Ort für deine Ideen)WP_20140801_14_41_53_Pro-ausschnitt

Ihr ahnt es schon…

Also, falls jemand eine Waschmaschine herumstehen hat, die nicht mehr so ganz dringend gebraucht wird. Im Sharehouse wäre ein prima Platz dafür!

Als wir wieder nach vorne kamen, hatte sich was getan: Elke Naters (Svens Frau) und Stefan Scheer, Teammitglied und Hausbewohner hatten zwei Tische rausgestellt, Wasser, ein paar Gläser, dazu ein Töpfchen mit Kirschen. Schnell wurde Kaffee gemacht. Und dann saßen wir unter dem „Kreuzberger Buyu- Baum“, den eine demontierbare, natürlich selbstgebastelte WP_20140801_17_41_35_ProBank umfasst. Inzwischen war auch ein junger Student aus Ghana dazu gestoßen, der im sharehouse sein Sprachpraktikum macht und oben im Haus in der WG untergekommen ist. Und eine total interessante Frau aus dem Wedding, die vollkommen zufällig hier vorbeigekommen war.

Die nächsten 1 1/2 Stunden vergingen wie im Flug, mit Erzählen und Zuhören, Ideen spinnen und Kontaktdaten austauschen. Vollkommen entspannte Atmosphäre, obwohl auch sehr ernste und persönliche Dinge zur Sprache kamen, ehrlich erzählt und einfühlsam aufgenommen.

Ständig liefen Leute vorbei, manche schauten interessiert. Andere nicht. Und manche schrieben ein paar Meter weiter ihre Kommentare an die Schiefertafeln oder fotografierten das mit dem Handy.WP_20140801_18_20_26_Pro

Sven Lager sagt dazu: „Das entscheidende passiert nicht drinnen, sondern draußen auf der Straße. Da entstehen die Kontakte.“

Kein Wunder, dass unsere Gedanken bald nicht mehr nur an der Ecke Solms-/Fürbringer-Str. sind, sondern mit Übertragungsmöglichkeiten beschäftigt.

Denn Buyu-Bäume wachsen überall. Nicht nur in Afrika und Kreuzberg. Man muss sie nur pflanzen!

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Ein Gedanke zu „Werkstatt für Himmlische Gesellschaft II.

  1. Andrea Ginsberg

    Lieber Gerold, vielen Dank für deine tollen Berichte. Als ich diesmal las: „…draußen auf der Straße. Da entstehen Kontakte“, war mir klar, unser Buyu-Baum in Flittard/Stammheim ist das Mobile Café. Herzliche Grüße -andrea-

    Antwort

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