Flüchtlings-Ansturm

„Überforderung“ war das Stichwort, unter dem im online – Fokus am Donnerstag zum Beitrag über die Flüchtlingslage in Berlin kam. Dabei ist das Problem gemeint, dass die zuständigen Behörden mit dem aktuell erhöhten Zustrom von Flüchtlingen völlig überfordert waren. Der Umgang mit den demonstrierenden Afrikanischen Asylbewerbern in den zurückliegenden Monaten zeigte schon, wie wenig das Innenministerium und die Ausländerbehörde auf diese Schwierigkeiten vorbereitet sind. Dabei kann man das wahrscheinlich den einzelnen Beteiligten nicht anlasten, den viel zu wenigen Sachbearbeitern schon gar nicht. Man muss sich dazu klar machen, dass zur Zeit jeder 5. Asylbewerber, der nach Deutschland kommt, in Berlin landet. Grobe Schätzungen gingen zunächst davon aus, dass das in diesem Jahr etwa 10.000 Flüchtlinge sein würden, das wären bereits doppelt soviele im im Vorjahr. Aber inzwischen zeichnet sich ab, dass es nochmal deutlich mehr werden.

WP_20140906_13_46_39_Pro

Mehrsprachiger Infokasten an der "Lasoge"

Mehrsprachiger Infokasten an der „Lageso“

Die Flut der neuen Bewerber hat nun in dieser Woche – wie man hörte – zunächst dazu geführt, dass sich immer mehr Mitarbeitende der zentralen Aufnahmestelle – am Ende mit den Nerven – krank gemeldet haben. Man stelle sich vor: Zwischen 100 und 500 pro Tag, die sich in den Fluren und Wartehallen der Zentralen Aufnahmestelle in Moabit drängen, deren Personalien aufgenommen werden müssen, natürlich mit Dolmetschern oder „Sprachhelfern“, aber meist ohne klare Papiere, Menschen am Ende ihrer psychischen Kräfte auf beiden Seiten der Schreibtische. Daraufhin sah sich der Sozialsenator am Donnerstag gezwungen, die Aufnahmestelle zu schließen. Wie viel Prügel er dafür z.B. von den Linken bekommen hat, kann man sich vorstellen. Zu Unrecht, wie ich finde. Denn in den anschließenden beide Tagen wurde intensiv an einer kreativen Problemlösung gearbeitet. Ein paar mehr Sachbearbeiter hinzuschicken würde bei weitem nicht reichen. Die unerträglichen Wartesituationen mussten geändert werden.

Und so hat sich der Senat nach externer Hilfe umgeschaut und sich – na an wen wohl gewendet? An die Berliner Stadtmission. Die Bitte war, ob wir ein Team zusammenbekommen, das in Zelten vor der Zentralen Aufnahmestelle die Flüchtlinge empfangen, begrüßen und mit Getränken bewirten: Willkommen heißen und Stress abbauen. Zunächst war auch daran gedacht,   dass dieses Freiwilligen-Team der Stadtmission die Bearbeitungs-Nummern austeilen sollte und diejenigen, die an dem Tag nicht mehr dran kommen würden, zu einer Notunterkunft bringen.

Also wurde Uli Neugebauer, der bei der Stadtmission für die Flüchtlingsarbeit zuständig ist, aus der Einführungswoche der jungen Jahresfreiwilligen in Gussow „zurückbeordert“ und die Drähte liefen heiß. Kriegen wir kurzfristig die Winter-Notübernachtung besetzt und geöffnet, um Übernachtungsplätze für Flüchtlinge zu schaffen? Vor allem: Wo bekommen wir innerhalb von drei Tagen die nötigen Helfer her? Und: Wer kann die Arbeit der Freiwilligen vor dem Landesamt koordinieren? Früh am Morgen klingelte mein Handy, mit der Frage, ob meine Frau Christiane das nicht übernehmen könnte…

Und so war Christiane am Freitagnachmittag bei der ersten Stabsbesprechung: Was muss koordiniert werden, was bedacht, was eingekauft…?

Später an Ort und Stelle in der Turmstraße stellt sich heraus, dass die Verantwortlichen von der Stadt inzwischen noch weiter gedacht und geplant haben. Denn durch die drei Tage Schließung muss man am Montag ja mit bis zu 1500 (in Worten: Eintausendfünfhundert) Asylbewerbern rechnen. Dementsprechend sind noch mehr Sachbearbeiter und Sprachhelfer angefordert worden, die aber alle Daten nur schnell handschriftlich aufnehmen. Städtische FSJler sollen dann die Informationen in die Computer eingeben. Zusätzlich gibt es Ordner und Sicherheitskräfte, die die Leute von A nach B bringen, eben dann auch in die Notunterkünfte.

Sodass für Christiane und „ihr“ Team dann „nur“ die Aufgabe einer guten Willkommenskultur bleibt. Denn die allermeisten der neuen Asylanten kommen aus dem Irak und aus Syrien. Und jeder, ein auch nur ein wenig aus der Welt mitbekommen hat, wird eine Ahnung haben, was das bedeutet.

Jedenfalls wird hier mit vereinten Kräften eine kreative Problemlösung gesucht, die der Herkunft der Flüchtlinge einerseits und andererseits der Verantwortung unseres Landes gedreht wird.

Mal schauen, wie das dann ab Montag konkret aussieht.

Der schöne Platz vor der Lasoge ist am Samstag noch menschenleer. Am Montag wirds hier wieder anders aussehen.

Der schöne Platz vor der Lageso ist am Samstag noch menschenleer. Am Montag wird´s hier wieder anders aussehen.

Im Haus Leo II, unserem 2. Flüchtlingsheim, das wir am vergangenen Montag eröffnet haben, läuft bisher alles ruhig und geordnet, auch wenn die Sozialarbeiter dort durchaus auch am Rande ihrer Kapazitäten sind. Allerdings gab es eine ganz lustige Verwechslung. Es kam am Montag nämlich eine kleine Gruppe Afrikaner ins Aufnahmebüro. Gefragt, wo denn ihre Bewilligung sei, waren sie etwas ratlos. Bis sich herausstellte, dass es Touristen waren, die eigentlich in unser Jugendgästehaus wollten.

WP_20140905_13_20_02_Pro WP_20140905_13_20_53_Pro

Und das ist nun definitiv das Besondere unseres Zentrums am Hauptbahnhof „zwischen Knast und Kanzleramt“. Diese Mischung von Einrichtungen auf einem Gelände gibt es sonst nirgendwo: Jugendhotel, Flüchtlingsheim, Obdachlosenambulanz, Geschäftsstelle und Tagungshaus, wo gerade ein Treffen christlicher Führungskräfte stattfindet.

Hier laufen sich Menschen über den Weg, die sich normalerweise so nie begegnen würden. Und Stress miteinander gibt es keinen.

Wer aus aktuellem Anlass unsere Flüchtlingsarbeit finanziell unterstützen möchte, findet die Kontodaten hier: http://www.berliner-stadtmission.de/wie-sie-helfen/spenden/spenden

Bei der Gelegenheit möchte ich auch nochmal vorsichtig an meine Spendenbitte aus dem Blog „Werkstatt für himmlische Gesellschaft“ erinnern: Um die Studioproduktion meines neuen Titelsongs für die Stadtmission zu ermöglichen, müssen die Kosten in Höhe von ca. 1000, – € durch freiwillige Gaben erbracht werden, – gleiches Konto, aber Stichwort „neuer Titelsong“. (Die Spender erhalten – abgesehen von der Spendenquittung – nach Fertigstellung das Lied als mp3 oder auf CD). Herzlichen Dank an diejenigen, die dafür schon gespendet haben!

Am kommenden Sonntag findet übrigens unser großes Sommerfest statt, an dem wir rund 5000 Besucher erwarten. Infos dazu gibt´s auch auf der Seite der Stadtmission: http://www.berliner-stadtmission.de/aktuelles/das-beste-all-inclusive

 

Advertisements

Ein Gedanke zu „Flüchtlings-Ansturm

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s