Gelungene Nothilfe

Im letzten Blog habe ich ja berichtet von der extrem angespannten Flüchtlingssituation in Berlin – und von der „Nothilfe-Anfrage“ des Berliner Senats u.a. an die Stadtmission.

Meine Frau Christiane hat diese Woche als Koordinatorin der Helfer vor der Zentralen Flüchtlingsaufnahmestelle im Landesamt für Gesundheit und Soziales in der Turmstraße in Moabit gearbeitet. Hier kommt ihr Rückblick:

„Es war eine superinteressante Woche – aber natürlich auch anstrengend. Am Montag haben wir bestimmt 700 – 800 Leute vor dem LaGeSo mit Kaffee, Tee, Wasser (es war warm) versorgt, haben Zwieback für die Kinder gehabt, mit ihnen gespielt und mit den Leuten geredet. Außerdem gab es zwei ärztliche Notfälle, die ich organisieren musste. Uli Neugebauer, der Leiter der Flüchtlingsarbeit bei der Berliner Stadtmission, hatte für den Montag schon ein Team mobilisiert (ich kannte ja keine Leute in Berlin) und dann über die Stadtmissionsgemeinden und alle nur denkbaren Kanäle um weitere Mitarbeiter gebeten.

Ich bin also mit einem relativ leeren Dienstplan gestartet – und habe jetzt, Ende der ersten Woche, eine Liste von 33 Leuten, die helfen wollen und können. Schon das allein ist ein tolles Erlebnis.

Alle Fotos vom Dienstag, als der erste Ansturm bereits bewältigt war.

Alle Fotos (Christiane Vorländer) sind vom Dienstag, als der erste Ansturm bereits bewältigt war.

Aber zurück zum Montag: Vor den Zelten standen Bierbänke, so dass sich die Leute setzen konnten (manche mussten den ganzen Tag warten). In den Zelten versammelten Sprachmittler immer Sprachgruppen von 10-20 Leuten um sich, nahmen deren Personalien auf und bereiteten den Weg für den Gang ins Amt. Die Personalien wurden dann an zusätzliche Mitarbeiter weitergegeben, die sie ins System eingaben, und erst dann kamen die Sachbearbeiter ins Spiel. Auf diese Weise sind an dem einen Tag über 1000 Leute „abgefertigt“ worden (nicht alles, aber überwiegend Flüchtlinge). Und am Abend hatte – anders als in der vorhergehenden Woche – jeder einen Platz zum Schlafen (auch die Winter-Notübernachtung der Stadtmission hatte ihre Türen jetzt für die Schutzsuchenden geöffnet).

Die Atmosphäre war total entspannt – und am Abend haben wir ein tolles Feed Back vom Leiter der Task-Force des Senats, Herrn Cwojdzinsky, erhalten: „So entspannt war das noch nie. Hier war ja richtige Volksfestatmosphäre.“

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Ab Dienstag ging es dann ruhiger zu, da der große Rückstau bewältigt war. Trotzdem werden wir wohl auch nächste – und vielleicht übernächste Woche noch dort verbringen, weil es für die Wartenden einen großen Unterschied macht, dass sie zwischendurch mit Kaffee oder Tee versorgt werden, ein paar nette Worte hören, man mal gemeinsam kräftig lacht – und die Kinder eine Anlaufstelle haben und immer mal wieder mit ihnen gespielt wird.

Allerdings ist echt viel Flexibilität gefordert: Die Task-Force sitzt drinnen und plant ununterbrochen, wie es weitergehen soll. Und da man ja in der Tat nie weiß, wie viele Flüchtlinge nun kommen, ist alles sehr schlecht kalkulierbar. Fakt ist aber, dass es viel mehr sind, als Schlafstellen vorhanden sind, so dass in Berlin inzwischen mehrere nicht mehr genutzte Schulen als Notschlafstellen eingerichtet worden sind und man Container aufbauen wird, um die Menschen unterzubringen. (Zwischenzeitlich stand im Raum, dass die Stadtmission eine solche Notschlafstelle übernimmt – Uli Neugebauer hatte mich schon gefragt, ob ich die leiten könnte – aber gestern bekamen wir die Info, dass die besagte Schule im Wedding jetzt in eine Erstunterkunft umgewandelt werden soll, und das gehört organisatorisch zur AWO).“

Trotz dieser gelungenen Nothilfe bei der Aufnahmestelle brennt die Flüchtlingsproblematik weiterhin an vielen Stellen. In Kreuzberg haben gestern Flüchtlinge mit Unterstützern eine Kirche besetzt, um Kirchenasyl zu erhalten. Rechtlich gibt es das nicht, aber eine Abschiebung aus einer Kirche heraus wäre politisch kaum möglich. Eins der Probleme dabei ist, dass die Asylablehnungen oft der Genfer Flüchtlingskonvention widersprechen.  Umgekehrt kann es auch nicht sein, dass die Flüchtlinge, die es schaffen, öffentlich auf sich aufmerksam zu machen, gegenüber den vielen anderen bevorzugt werden. Einfache Lösungen gibt es da nicht. Und die Herausforderung für unsere Gesellschaft ist groß. Auch, jetzt nicht rechter Polemik auf den Leim zu gehen. Ich fürchte aber für die Brandenburgischen Landtagswahlen morgen Schlimmes.

Nichts Schlimmes, sondern sehr Schönes und Lebendiges sowie ein paar Tausend Besucher erwarte ich hingegen für unser großes Stadtmissions-Sommerfest morgen: „Das Beste all inclusive“:

Es beginnt um 11 Uhr mit drei Gottesdiensten auf drei Bühnen (Hauptbühne, wo ich mitwirke, Jugendbühne, Kinderbühne). Anschließend gibt es natürlich vielerlei zu essen, ein buntes Programm auf allen Bühnen und viele Begegnungsmöglichkeiten.

Dazu verschiedene Möglichkeiten, die Arbeit der Stadtmission kennen zu lernen, Stände von Kooperationspartnern zu besuchen usw.. Weitere Infos unter: http://www.berliner-stadtmission.de/aktuelles/das-beste-all-inclusive/3dc9e4eb96b366db1821fb1477b4995e

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