Klug geworden?

… das müsste man jedenfalls erwarten von allen, die vorige Woche beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart waren.Thema: „Damit wir klug werden.“Kirchentag2015 Nr 02

S‘ Muschterländle als Gaschtgäber. Gute Gastgeber! Insgesamt ein freundlicher Kirchentag. Mit strahlender Sonne, schweißfördernden Temperaturen z.T. über 30 Grad – und Gewittern, die aufzogen und unverrichteter Dinge auch wieder abzogen. Vieles war wie bei anderen Kirchentagen. Und manche Erfahrungen hat gefruchtet, z.B. wie man überfüllte Hallen meidet oder rechtzeitig oder nachträglich reinkommt oder auch nicht und sich trotzdem nicht ärgert.

D.h. In Stuttgart gab es erstmalig keine überfüllten Hallen und Kirchen:

Kirchentag2015 Nr 29Eine „gefüllte Kirche“ ist im Gegensatz zu einer über-füllten ja durchaus erlaubt, wobei man das gefüllt auch sehr unterschiedlich auslegen kann.

Bei einer sehr interessanten Podiumsveranstaltung zu „fresh X“ (fresh expression of Church – neue Gestaltungsformen von Kirche) mit dem anglikanischen Bischof Dr. Steven Croft (von dem Christiane schon ein Buch übersetzt hat), sah Kirchentag2015 Nr 13die „gefüllte Kirche“ z.B. so aus: Deshalb musste ich auch die erste halbe Stunde vor der Tür warten, bis einige frühzeitig hinauskamen und ein mich einwechseln lassen konnte.

Unser Personalchef am iBelieve Stand

Unser Personalchef am iBelieve Stand

 

 

Wir waren von der Berliner Stadtmission mit insgesamt 25 Mitarbeitenden an unterschiedlichen Ständen etwa beim Markt der Möglichkeiten vertreten. Und im Zelt zum Reformationsjubiläum 2017 auf dem Schillerplatz haben wir unser Konzept für ein Expo-artiges missionarisches Bildungsprojekt vorgestellt: „iBelieve“ (ich glaube) mit Event-Pavillion in Form einer großen Schale und 7 Themenstationen mit beispielhaften Projekten. Insgesamt wollen wir damit zeigen, was Grunderkenntnisse der Reformation heute bewirken können.

Kirchentag2015 Nr 15

Berliner Bär mit Regierendem Bürgermeister Michael Müller, Landesbischof Martin Dröge (1.v.r.)

Anlässlich der Stabübergabe vom Stuttgarter an der Berliner Kirchentag (2017) war auch der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller und der Landesbischhof der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO) in Stuttgart und in unserem Zelt. Und ich hatte die Ehre, nacheinander beiden unser Projekt vorzustellen. Beide waren ganz angetan. Insgesamt haben wir viel Rückenwind und gute Kontakte für dieses ehrgeiziges Projekt bekommen. Diesbezüglich sind wir jetzt schon ein bisschen schlauer geworden.

Aber auch schon klüger?

Zurück zum Motto des Kirchentages: „Damit wir klug werden“. Das stammt ja aus Psalm 90 und bezieht sich auf die Endlichkeit unseres Lebens: „Lehre uns bedenken, dass unsere Tage gezählt sind, damit wir klug werden.“ In dem Zusammenhang stand auch einer  der Bibelarbeitstexte aus dem Alten Testament: Kohelet 3,9-13. Da geht es um nutzloses Abmühen, um Lebensaufgaben, um die Ewigkeit in unseren Herzen, um Begrenztheit unserer Erkenntnis und um Lebensbejahung trotz aller Ernüchterungen, die man so erfährt.

Der – inzwischen für seine Theologie berühmte – Geigenbauer und Physiker Martin Schleske stellte diesen Text in den hochinteressanten Zusammenhang der rabbinischen Auslegung.

Martin Schleske, hier mit Geige und den Musikern Lothar Kosse und Daniel Jacobi

Martin Schleske, hier mit Geige und den Musikern Lothar Kosse und Daniel Jacobi (v.r.)

Die drei biblischen Bücher, die Salomo zugeschrieben werden, spiegeln demnach drei Lebensalter und damit auch drei Phasen des Glaubens wider: Das Hohelied Salomos („Er küsse mich mit dem Kuss seines Mundes“) zeigt die begeisterungsfähige Jugend und auch den euphorischen jungen Glauben: Gott als Freund oder Freundin in inniger Verbindung. Die Sprüche Salomos sind aus der mittleren Lebensphase, in der man schon viele Erfahrungen gemacht hat, weiß, wie die Dinge ablaufen und Handwerkszeug zur Bewältigung vieler Lebensfragen gefunden hat. Solcher Glaube ist selbstbewusst und hat viele Fragen für sich geklärt. Im Buch Kohelet („Prediger Salomos“) begegnen wir dem alten Menschen, der durch viele Härten und Enttäuschungen ernüchtert ist, der sehr deutlich erfahren hat, dass vieles im Leben überhaupt nicht aufgeht, dass das Leben nicht fair ist, dass es keine einfachen Antworten gibt – und der trotzdem dem Leben zugewandt bleibt. Ein solcher Glaube hat erfahren, dass sich vieles nicht erfüllt, was der jugendliche Glaube begeistert erwartete, dass alle Antworten, die man mal gefunden zu haben glaubte, nur sehr vorläufig sind, und der die Nacht des Zweifels und der Gottesferne durchlitten hat. Ein solcher Glaube besteht nicht nur aus Vertrauen zu Gott, sondern auch aus Ehrfurcht vor dem Ewigen. Und gerade so mit einem Gespür für das, was wirklich gut tut – jenseits aller Illusionen.

Klug werden als weisheitliche Einblicke in die Tiefendimensionen des Lebens!

Von einem Element des Kirchentages möchte ich noch berichten: Der Parade der Diakonie.

Das war wirklich eine Art Rosenmotagszug mitten in Stuttgart. Für einen (ehemaligen) Kölner Kirchentag2015 Nr 17war die eine Handvoll Kamelle, die ins Volk geworfen wurde, ein bisschen lächerlich. Aber die Musik-, Tanz- und Fußgruppen konnten durch ihre Fantasie, ihre Trommelrhythmen und Bläserklänge echt mithalten. Und wenn sich unter den Musikern Trommler mit Downsyndrom und eine gechillte Pflegeheim-Band mit roten Käppies in einem offene Jeep befindet, dann macht das doppelt Spaß:

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Zum Schluss weg vom Kirchentag zu einer Köln-Berliner Erfolgsstory:

WP_20140115_08_53_45_ProVor gut zwei Wochen hat das Berliner Architekturbüro Sauerbruch Hutton mit der Immanuel-Kirche, die wir vor zwei Jahren gemeinsam in Köln gebaut haben, den Deutschen Architekturpreis 2015 gewonnen! Dieser vom Bundesbauministerium und der Architektenkammer alle zwei Jahre verliehene Preis ist die höchste Auszeichnung, die es in Deutschland für Architektur gibt. Bundesbauministerin Barbara Hendricks sagte (laut Presse) in ihrer Gratulationsrede: „Durch die Anordnung des Gebäude-Ensembles öffnet die Kirchengemeinde ihr Grundstück für die Öffentlichkeit und leistet so einen Beitrag für eine lebendige Stadt.“

So un-klug können wir also bei den Planungen nicht gewesen sein 😉

Und nun noch der Hinweis auf das (bzw. für die Berliner Blog-Leser die Einladung zu dem) großen Fest der Stadtmission für die Stadt am Sonntag, dem 5.7. von 11 – 18 Uhr hier im Zentrum am Hauptbahnhof. (Ich halte da übrigens die Predigt im Jugendgottesdienst.)

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