Autonomes Katalonien 2017-09-25

Es ist reiner Zufall, dass wir gerade jetzt in Katalonien Urlaub machen. Aber wir sind hier in einer extrem spannenden Situation gelandet. Seit Jahren spitzt sich der Streit um ein Unabhängigkeits-Referendum zu: Zwischen der katalonischen Regionalregierung und der spanischen Zentralregierung und es wird mit immer härteren Bandagen gekämpft. Die „“Generalitat de Catalonya“ versucht unter allen Umständen und gegen die Entscheidung des Verfassungsgerichtes, diese Volksbefragung durchzuführen. Und während die „nicht reverendielle Volksbefragung“ 2014 von Madrid aus nur juristisch bekämpft wurde, versucht die Zentralregierung diesmal mit allen Mitteln das Funktionieren eines Referendums zu verhindern. Razzien, Beschlagnahmung von Stimmzetteln, Festnahmen von Politikern, die Regionalpolizei wird durch Madrid der paramilitärischen guardia civil unterstellt, Großdemonstrationen… – Was wir davon in den Straßen Barcelonas und auf dem katalanischen Land in den nächsten zwei Wochen miterleben, davon will ich euch in kurzen Blogs berichten. Technisch steht mir dafür nur mein Smartphone zur Verfügung, was die Arbeit etwas mühsam macht. Und ich bitte jetzt schon mal, eventuelle Rechtschreibfehler und technische Pannen zu entschuldigen. Wenn ihr meinen Blog noch nicht abonniert habt, ist jetzt eine gute Gelegenheit dazu, damit ihr immer sofort Nachricht erhaltet, wenn ich etwas zu berichten habe.

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Das erste verblüffende Erlebnis hatten wir gestern Abend nach unserer Ankunft und einem erlesenen Essen am Sant Pau Recinte Modernista (kleine Portionen, aber Genuss).

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Wir schlenderten über die Avinguda du Gaudi in Richtung Sagrada Famila, als es plötzlich anfing, um uns herum zu scheppern. Aus allen Richtungen, auch von oben. Topfschlagen in vollendeter Quadrophonie. Und dann sahen wir auch manche: Auf dunklem Balkon mit schmiedeeisernem Geländer vor teurem, schwerem Vorhang, dahinter ein herrschaftlicher Salon zu erahnen. Oder auf der anderen Seite aus dem Fenster eines 20. Jahrhundert-Mietshaus. Unzählige Töpfe der unterschiedlichsten Materialien und Größen, jedenfalls der vielfältigsten Klangfarben wurden ausdauernd geschlagen. Gegen 22 Uhr begann dieses merkwürdige Konzert, das so nach 10 – 15 Minuten langsam abebbte.

Am Morgen bestätigte unsere Gastgeberin, was wir schon vermutet hatten: Eine Klangdemonstration der besonderen Art anlässlich der bevorstehenden Volksbefragung. Wobei sie, die offenbar seit Jahrzehnten zwischen Deutschland und Barcelona pendelt (ihr Vater hatte das Haus gekauft) uns  auch nicht sagen konnte, welche Seite den Lärm macht: Die Unabhängigkeits- Befürworter („si“) oder die anderen. Der Verlauf der heutigen Tages machte das aber ziemlich klar. Denn von Gegnern des Referendums war nichts, aber auch gar nichts zu sehen oder zu hören. Statt dessen überall an Balkonen und Häuserfassaden Katalanische Fahnen und si- Transparente. Und wir fragen uns: Verschlafen die Befürworter eines Verbleibens in Spanien (laut Umfragen mehr als die Hälfte) die entscheidende Situation genauso wie im vorigen Jahr in Großbritannien die Brexit-Gegner? Bis es zu spät ist, eine nationalistische Entscheidung gefallen und die Gesellschaft gespalten? „Die Geschichte lehrt, dass die Menschen noch nie aus der Geschichte gelernt haben“. Frankreich hat gelernt. Aber Katalonien nicht?

In der Stadt ist davon nichts zu merken. Am oberen und unteren Ende der Ramblas steht zwar unübersehbar Bereitschaftspolizei der Stadt (municipal). Aber ansonsten drängen sich die Touristen wie wohl immer um die Straßenkünstler.
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Und das Musikfestival zu Ehren der Stadtheiligen Santa Mercé feiert sich selbst mit Bigbandjazz, Worldmusic und katalanischer Folklore auf vielen Bühnen. Denn hier verbindet sich der anti-spanische Nationalismus scheinbar mühelos mit Multikulti, Feminismus und Sozialismus.
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